Gewalt durch Zuwanderer: "Meckern, nörgeln und schimpfen bringen uns nicht weiter"

Kriminalität durch Zuwanderer – allein Schlagzeilen wie diese sorgen seit der Einwanderung von mehr als einer Million Flüchtlinge nach Deutschland seit 2015 für reichlich Gesprächsstoff. Doch bedeutet mehr Zuwanderung automatisch mehr Gewalt? Was sagen die Zahlen? Und was die Emotionen? Darüber ist am Montagabend bei FAKT IST! aus Magdeburg diskutiert worden. Die Übersicht.

FAKT IST! aus Magdeburg ist am Montagabend über Gewalt durch Zuwanderer diskutiert worden. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert In der MDR-Fernsehsendung FAKT IST! aus Magdeburg ist am Montagabend über Gewalt durch Zuwanderer diskutiert worden. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert Der Kriminologe Christian Pfeiffer geht davon aus, dass die Zahl der von Zuwanderern begangenen Straftaten in Zukunft sinken wird. Pfeiffer sagte in der MDR-Fernsehsendung FAKT IST! am Montagabend, darauf lasse vor allem die inzwischen bessere Unterbringung von Flüchtlingen hoffen. In der Runde war über Gewalttaten diskutiert worden, die von Zuwanderern begangen werden. Die vorige Woche vorgestellte Kriminalitätsstatistik für Sachsen-Anhalt hatte gezeigt, dass die Zahl der erfassten Straftaten 2017 insgesamt zurückgegangen ist. Es wurden aber verglichen mit dem Vorjahr mehr "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" registriert, die von Zuwanderern begangen wurden.

 Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer, Bildrechte: IMAGO Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer, Bildrechte: IMAGO

Eine Studie des Kriminologen Pfeiffer hatte zuletzt für Niedersachsen belegt, dass für die gestiegene Zahl von Gewaltdelikten vor allem junge männliche Flüchtlinge verantwortlich sind. Nach den Worten des Kriminologen hat das besonders mit der Art und Weise zu tun, wie Flüchtlinge zu Beginn der massenhaften Einwanderung 2015 untergebracht worden sind. "Am Anfang wurden zum Beispiel Turnhallen als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt", erinnerte er. Zuwanderer aus verschiedenen Kulturen hätten auf engstem Raum nebeneinander gelebt. Es sei zu Reibereien und Tötungsdelikten unter Flüchtlingen und gegenüber Deutschen gekommen. Dass die Unterbringung inzwischen "deutlich verbessert" worden sei, wird nach seiner Einschätzung zu einer sinkenden Zahl von Straftaten insgesamt führen. "Integration reduziert Gewalt", sagte Pfeiffer.

Lüddemann für mehr Personal bei der Justiz

Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der grünen Landtagsfraktionen in Sachsen-Anhalt, sagte, die Fakten sprächen eine klare Sprache: Die Zahl der erfassten Straftaten in Deutschland gehe zurück. Sie nehme es dennoch "sehr ernst", wenn Menschen sich unsicher fühlten, sagte Lüddemann. Ihre Partei habe sich auch deshalb in der schwarz-rot-grünen Landesregierung für mehr Polizisten in Sachsen-Anhalt stark gemacht. Es brauche darüber hinaus mehr Einstellungen bei der Justiz im Land, forderte sie. Gewaltverbrechen müssten unmittelbar strafrechtlich verfolgt werden.

 Cornelia Lüddemann, Fraktionschefin der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt Bildrechte: privat Cornelia Lüddemann, Fraktionschefin der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt, Bildrechte: privat Lüddemann sagte weiter, es seien nicht grundsätzlich Ausländer, die gewalttätig würden. "Es sind diejenigen, die keine Bleibeperspektive oder keine Aussicht auf die Verbesserung ihrer Lebenssituation haben." Nach den Worten von Lüddemann braucht es deshalb ein klares Einwanderungsrecht. "Zuwanderer müssen wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie sich auf den Weg nach Deutschland machen", forderte die Grünen-Fraktionschefin. Es brauche vom ersten Tag an Wissen – das besonders in Form von Integrationskursen vermittelt werde. Ein Zuschauer aus dem Publikum kritisierte Lüddemann für diese Aussage. Sie als Vertreterin der Landesregierung müsse doch wissen, dass die Landesregierung in der Frage zu wenig unternehme. Lüddemann entgegnete, die Landesregierung habe die Mittel für Integration in der Vergangenheit "stark aufgestockt" und arbeite mit der Agentur für Arbeit zusammen.

Mehr Zuwanderung - mehr Gewalt? Fakten und gefühlte Wahrheiten

Das Sicherheitsgefühl in Deutschland hat sich seit der Flüchtlingskrise verändert. Was sagen offizielle Zahlen über Kriminalität durch Zuwanderer – und was Emotionen? Anja Heyde dazu im Gespräch. (nur in D)

Petry: Zuwanderer sehen Gewalt als "völlig normal" an

Die fraktionslose Bundestagsabgeordnete Frauke Petry sagte in der Sendung, im Zuge der massenfachen Einwanderung seit 2015 seien viele Menschen nach Deutschland gekommen, die Gewalt als "völlig normales Element" ihres Lebens empfänden. Nach Meinung der früheren Bundesvorsitzenden der AfD verursacht insbesondere das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und Lebensweisen Probleme. Man dürfe Probleme nicht kleinreden, forderte sie. Es sei Aufgabe von Politik, einen Zuwachs von Kriminalität zuzugeben. Dass es mehr Gewalt durch Zuwanderer gebe, sei keine gefühlte Wahrheit, sondern Fakt.

Die fraktionslose Bundestagsabgeordnete und ehemalige AfD-Chefin Frauke Petry, Bildrechte: IMAGODie fraktionslose Bundestagsabgeordnete und ehemalige AfD-Chefin Frauke Petry, Bildrechte: IMAGOPetry, die nach ihrem Ausscheiden aus der AfD ein Bürgerforum mit dem Namen "Blaue Wende" gegründet hat, betonte, die deutschen Werte müssten verteidigt werden. "Wie lange soll es noch dauern, bis Integration irgendwann funktioniert", fragte die sächsische Politikerin. Die in der Runde ins Gespräch gebrachte Perspektivlosigkeit, wegen der Zuwanderer straffällig würden, sieht Petry nicht. Deutschland stecke mit einem "Riesen-Aufwand" sehr viel mehr Geld als die allermeisten Länder der Welt in Leistungen für Zuwanderer. Man müsse verhindern, dass es weitere Opfer gebe. "Jede Straftat ist eine zu viel", sagte sie. Es sei in der Frage egal, von wem sie begangen worden sei. "Wenn aber erkannt wird, dass die Zahl durch Migration gestiegen ist, muss sie mit politischen Maßnahmen reduziert werden."

Erdogan sieht gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Kazim Erdogan kritisierte in der Sendung, dass Angebote und Maßnahmen, in die der Staat viel Geld gesteckt habe, nicht ausgewertet worden seien. "Wir müssen alles unter die Lupe nehmen, was wir bisher angeboten haben", sagte Erdogan, der im Berliner Stadtteil Neukölln als Sozialarbeiter und Psychologe arbeitet und im regelmäßigen Kontakt mit Zuwanderern steht. In Neukölln hatten nach seinen Worten noch vor weniger als zehn Jahren 70 Prozent aller Intensivstraftäter einen Migrationshintergrund. Jetzt liege der Wert bei 40 Prozent. "Die Menschen sind nicht mehr hoffnungslos und enttäuscht", sagte Erdogan zur Begründung. Gewalt entstehe auch wegen Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit.Psychologe und Sozialarbeiter Kazim Erdogan, Bildrechte: Kazim ErdoganPsychologe und Sozialarbeiter Kazim Erdogan, Bildrechte: Kazim Erdogan Erdogan kritisierte, dass die bisher vom Staat ergriffenen Maßnahmen zur Integration "niemals" ausreichen würden. Es sei im Spätsommer 2015 versäumt worden, Zuwanderer auf in Deutschland geltende Sitten, Werte und Bräuche hinzuweisen. Auch sei beispielsweise nie ernsthaft über den Begriff Ehre und das, was er hierzulande bedeutet, diskutiert worden. Der Sozialarbeiter sprach von einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, die vor Deutschland liege. "Ich bitte jeden von uns, aufzustehen gegen das Messer, das nichts in der Tasche zu suchen hat." Das sei dringend notwendig, betonte Erdogan. "Meckern, nörgeln und schimpfen bringen uns nicht weiter."

 

Vorige Woche wurde die Kriminalitätsstatistik 2017 für Sachsen-Anhalt vorgestellt. Die Übersicht zeigt, welche erfassten Straftaten von Zuwanderern begangen wurden. Bildrechte: MDR/Max SchörmVorige Woche wurde die Kriminalitätsstatistik 2017 für Sachsen-Anhalt vorgestellt. Die Übersicht zeigt, welche erfassten Straftaten von Zuwanderern begangen wurden. Bildrechte: MDR/Max Schörm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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